Maria Sibylla Merian

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Maria Sibylla Merian
© Gemeinfrei

Nach ihr sind sechs Pflanzen, neun Schmetterlinge und zwei Käfer benannt, obwohl sie nicht als Naturwissen­schaftlerin, sondern als Malerin berühmt wurde. „Ich habe mich von Jugend an mit der Erfor­schung der Insekten beschäftigt“, schreibt sie im Vorwort zu einem ihrer Bücher. „Zunächst begann ich mit Seiden­raupen in meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main. Danach stellte ich fest, dass sich aus anderen Raupen viel schönere Tag- und Eulenfalter entwickelten als aus Seidenraupen. Das veranlasste mich, alle Raupen zu sammeln, die ich finden konnte, um ihre Verwandlung zu beobachten. Ich entzog mich deshalb aller men­sch­lichen Gesellschaft und be­­schäftigte mich mit diesen Unter­suchungen.“

Aquarelle mit Insekten von unglaublicher Schönheit

Das war ungewöhnlich für eine Frau in dieser Zeit, nicht aber für die am 2. April 1647 geborene Maria Sibylla Merian, die es nicht beim Sammeln beließ, sondern ihre Beobachtungen auch in Bildern festhielt. Ihre Aquarelle, auf denen sie Pflanzen und Insekten darstellte, sind von unglaublicher Schönheit. Sie zeigen die Lebenskraft eines Mikrokosmos, aber auch Tod und Vergänglichkeit. Maria Sibylla Merian konzentrierte sich nicht nur auf eine möglichst exakte Wiedergabe des Beobachteten, sondern sie komponierte ihre Bilder, gruppierte Insekten auf oder neben die Pflanzen. Sie zeigte die Entwicklung der Insekten in ihrer natürlichen Umwelt. Das war für ihre Zeit einmalig.

Maria Sibylla Merian, die einzige Tochter aus der zweiten Ehe von Matthäus Merian dem Älteren mit Johanna Sibylla Heim, scheint sich aus den Familienkämpfen weitgehend herausgehalten zu haben. Nach dem Tod ihres Vaters hatte sie Unterricht bei ihrem Stiefvater, dem Stilllebenmaler Jacob Marell, und bei dessen Schüler Abraham Mignon erhalten. Mit achtzehn Jahren wurde sie die Frau des Malers und Stechers Johann Andreas Graff, mit dem sie nach Nürnberg zog. 1675 erschien ihr erstes Blumenbuch Florum Fasciculus Primus. Es folgte 1679 der erste Teil Der Raupen wunderbare Verwandelung (Teil 2: 1683, Teil 3: 1717).

Studium exotischer Insekten in Surinam

Nach dem Tod ihres Stiefvaters, 1681, kehrte sie nach Frankfurt zurück, trennte sich 1685 endgültig von ihrem Mann und ging mit ihren beiden Töchtern zu der schwärmerischen Sekte der Labadisten nach Westfriesland, wo unterdessen ihr Stiefbruder Caspar lebte. 1691 löste sie sich von den religiösen Eiferern, die nach dem Vorbild des Urchristentums leben wollten, und ließ sich in Amsterdam nieder. Im Juni 1699 trat sie ihre zweijährige Reise nach Surinam an, um exotische Insekten studieren zu können. Sie wurde von keinem Mann, sondern nur von ihrer ältesten Tochter begleitet. Das war wieder ungewöhnlich, wie so Vieles in ihrem Leben, und gefährlich dazu. Die Reise entwickelte sich für sie zu einer einzigen Strapaze. Die Zweiundfünfzigjährige ertrug das heiße Klima kaum und musste ihre Reise, früher als geplant, im Dezember 1701 beenden.

Die Ergebnisse ihrer Forschungen und Naturstudien veröffentlichte sie 1705 unter dem Titel Metamorphosis Insectorum Surinamensium, ein von ihr selbst koloriertes Werk, das sie posthum weltberühmt machen sollte. Zu ihren Lebzeiten hatte sie nichts mehr davon. „Vergeblich hofft sie“, schreibt Anita Albus in ihrem Merian-Porträt, „ihre Reise- und Druckkosten durch den Verkauf ihres Prachtwerks zu decken. Die deutsche Ausgabe kommt gar nicht zustande, weil sich nur zwölf Subskribenten finden. Im Armen-Register von Amsterdam folgt am 13. Januar 1717 ihr Name dem der unbekannten Tryntje Joppe, die ihr im Tod zwei Tage vorangegangen ist“. Von ihrer Frankfurter Familie hatte sie keine Hilfe erwarten können. Denn die Verlagstätigkeit war fast ganz zum Erliegen gekommen. Die meisten noch vorhandenen Bücher zerstörte 1726 ein Brand im Karmeliterkloster, wo sie aufbewahrt worden waren. Die letzte Folge des Theatrum Europaeum wurde 1738 nicht mehr von Merian herausgebracht.