70 Jahre Hessen

1945 bis 1954

Zerstörung in Frankfurt nach dem Zweiten Weltkrieg
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Zerstörung in Frankfurt nach dem Zweiten Weltkrieg
© University of Wisconsin

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war das Gebiet des späteren Landes Hessen durch amerikanische Truppen besetzt. Die amerikanische Militärregierung bildete am 19. September 1945 durch die Proklamation Nr. 2 das Land Groß-Hessen, indem sie die preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau sowie den Volksstaat Hessen vereinigte.

Eine neue Hauptstadt und eine neue Verfassung

Knapp einen Monat später, am 12. Oktober 1945, wurde die ehemalige nassauische Residenz Wiesbaden als Landeshauptstadt festgelegt – eine relativ intakte Stadt, die während des Krieges „nur“ zu ungefähr 25 Prozent zerstört worden war. Die amerikanische Besatzungsmacht setzte als ersten Ministerpräsident von Groß-Hessen den parteilosen Rechtswissenschaftler Karl Geiler ein, der mit seiner Landesregierung umgehend seine Arbeit aufnahm. Der Prozess der Demokratisierung unter amerikanischer Aufsicht wurde mit der Verfassungsgebung vorangetrieben. Am 29. Oktober 1946 konnte die hessische Verfassung von der verfassungsberatenden Landesversammlung in Wiesbaden beschlossen werden. Durch eine Volksabstimmung wurde diese Verfassung am 1. Dezember 1946 mit einer Zustimmung von 76,8 Prozent angenommen. Aus Groß-Hessen wurde das Land Hessen. Damit besitzt Hessen die älteste, mit geringen Änderungen noch heute geltende Verfassung eines deutschen Bundeslandes.

Anfang 1947 fand in Hessen die erste Landtagswahl statt, in der die SPD die meisten Stimmen erhielt. Sie bildete eine große Koalition mit der CDU unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Christian Stock.

Erste Buchmesse der Nachkriegszeit in Frankfurt

In den folgenden Jahren erholte sich Hessen langsam von den Kriegsjahren. Vom 18. bis 23. September 1949 wurde die erste Buchmesse der Nachkriegszeit in der Frankfurter Paulskirche abgehalten. Stellten zu diesem Zeitpunkt lediglich deutsche Aussteller auf der Messe aus, waren es in den folgenden Jahren immer mehr ausländische Buchhändler und Verlage. Heute gilt die Frankfurter Buchmesse als wichtigste internationale Literaturmesse.

Nach der Landtagswahl im folgenden Jahr regierte die SPD ohne Koalitionspartner unter Ministerpräsident Georg-August Zinn. In seiner Amtszeit spielten die Flüchtlings- und Vertriebenenfrage sowie die wirtschaftliche Beeinträchtigung durch die deutsche Teilung eine übergeordnete Rolle.

1951 verkündete Georg-August Zinn den „Hessenplan“, mit dem zu Beginn die bessere Integration von Vertriebenen und Flüchtlingen vor allem aus Ost- und Südosteuropa angestrebt wurde. Ein wichtiges Ziel war es, den Menschen Arbeit in der Nähe ihres Wohnortes zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang entstanden vor allem in Südhessen viele neue Arbeitsplätze und Wohnungen. Annähernd 100.000 Flüchtlinge konnten dadurch Arbeit und Wohnraum erhalten.