70 Jahre Hessen

1985 bis 1994

Das Kloster Eberbach im Rheingau
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Das Kloster Eberbach im Rheingau
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Erstmals stellten die Grünen in Deutschland ab 1985 einen Minister auf Landesebene. Ministerpräsident Holger Börner ernannte Joschka Fischer zum Staatsminister für Umwelt und Energie; er wurde am 12. Dezember 1985 vereidigt. Das bewusst rebellische Auftreten des grünen Ministers bei seiner Vereidigung in Turnschuhen und grobem Tweed-Sakko prägte lange Zeit das Bild der Partei in der Öffentlichkeit.

Nach der Landtagswahl 1987 und dem Scheitern der rot-grünen Koalition fand der erste echte Machtwechsel mit einer schwarz-gelben Koalitionsregierung statt. Der frühere Frankfurter Oberbürgermeister und Bundesumweltminister Walter Wallmann wurde zum Ministerpräsidenten gewählt. Er regierte gemeinsam mit der FDP bis 1991.

Seit seiner Gründung im 12. Jahrhundert hat das Kloster Eberbach im Rheingau viele große Umwälzungen und Entwicklungen von Staat und Gesellschaft erfahren. Es überstand die Bauernkriege und den dreißigjährigen Krieg, die Herrschaft Napoleons und seine Zweckentfremdung als Frauengefängnis und Landwirtschaftsbetrieb im 19. Jahrhundert. In seiner bewegten Geschichte erlebte das Kloster bei Eltville am Rhein Ende 1985 ein Novum: Seine beeindruckenden Kulisse bot den Hintergrund für die Verfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ mit Sean Connery in der Hauptrolle.

Aufbauhilfe nach dem Fall der Mauer: Das „Aktionsprogramm Hessen-Thüringen“

Die Hessische Landesregierung beschloss kurz nach dem Fall der Mauer im Dezember 1989, „sofort und ohne politische Vorbedingungen" ein umfassendes Investitionsprogramm für den Aufbau des Nachbarlandes Thüringen und stellte Soforthilfen im Umfang von einer Viertelmilliarde D-Mark und einem Bürgschaftsrahmen von 500 Millionen D-Mark zur Verfügung. Das „Aktionsprogramm Hessen-Thüringen“ zielte vor allem auf den Aufbau von demokratischen Strukturen und die Förderung von Infrastruktur, Gesundheitswesen, Umweltschutz, Verkehrswesen und Denkmalpflege. Nach und nach wurden die Grenzposten zwischen Hessen und Thüringen abgebaut, Straßenverbindungen wiederhergestellt und der Austausch in Politik, Wissenschaft und Justiz zwischen den Bundesländern in Gang gebracht. Am 3. Oktober 1990 trat schließlich die DDR der Bundesrepublik bei, die Teilung Deutschlands war überwunden.

Kloster Lorsch wird erstes UNESCO-Welterbe in Hessen

Die ehemalige Benediktiner-Abtei im südhessischen Lorsch mit dem Kloster Altenmünster wurde 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt und damit die erste Welterbestätte in Hessen. Das bereits im Jahr 764 gegründete Kloster war ein wichtiges kulturelles Zentrum und verfügte über eine der größten und bedeutendsten Bibliotheken des Mittelalters.

Bei den Landtagswahlen 1991 und 1995 wurden die Grünen drittstärkste Kraft. Die SPD stellte in einer Koalition mit ihnen den Ministerpräsidenten: den späteren Bundesfinanzminister Hans Eichel. Unter seiner Regierung wurden Umweltthemen in den Fokus gerückt sowie ein Frauengleichberechtigungsgesetz verabschiedet. Außerdem erließ Hessen 1993 als erstes Bundesland eine Ozon-Verordnung. Sie sah Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr vor, die bei hohen Ozonbelastungen im Sommer in Kraft treten.