Bildungsinitiative

1. „Tag der Handschrift“ ausgerufen

12.06.2018Hessisches Kultusministerium

Hessens Schulen zeigen, was sie können!

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Tag der Handschrift
© HKM

Papier ist geduldig, heißt es. Und ein leeres DIN A4-Blatt kann eine Herausforderung sein, wenn es darum geht, dieses handschriftlich mit Worten und Zeilen zu füllen. Erstmals ruft die „Stiftung Handschrift“ am 14. September 2018 den „Tag der Handschrift“ aus. Auf diesen Tag hinarbeitend, findet im Vorfeld ein hessenweiter Schulschreib-Wettbewerb zum Thema „Liebe“ statt. Ein Liebesbekenntnis als Brief und mit dem Füller geschrieben. „Das hört sich leicht an, ist es aber nicht. Viele Schülerinnen und Schüler tun sich schwer mit Inhalt und Form einer solchen Botschaft“, erklärte der Mitinitiator des Wettbewerbs, Prof. Dr. Heinz Kroehl. Eingeladen waren Schülerinnen und Schüler aus der Sekundarstufe I aller Schulformen in Hessen. Angemeldet zur Teilnahme haben sich nun 141 Schulen aus 104 Landkreisen und Städten. Insgesamt sind 7 380 Schülerinnen und Schüler dabei. „Ein landesweiter ‚Tag der Handschrift‘ ist eine großartige Idee, die wir gerne unterstützen“, betonte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. „Denn die Handschrift ist ein wertvolles und grundlegendes Kulturgut, das auch die Individualität des Menschen zeigt. Das Schreiben mit der Hand und das Entwickeln einer gut lesbaren Handschrift ist daher auch eines der wichtigsten Lernziele bis zum Ende der Grundschulzeit.“

Einen Brief zu verfassen verlangt besondere Sorgfalt.

Um die Bedeutung der Handschrift zu unterstützen, steht der persönliche Brief im Mittelpunkt. Er fordert vom Schreibenden eine besondere Sorgfalt bezüglich Inhalt und Form. Ein guter Brief verlangt gewisse Regeln. Er sollte lesbar und ordentlich geschrieben sein, einen inhaltlichen Aufbau haben und darüber hinaus den richtigen Ton treffen. Durch die individuelle Handschrift der Schülerinnen und Schüler bekommt jeder Brief eine eigene Identität – sozusagen die DNA des Verfassers.

Wie denken Jugendliche heute?

Um Schülerinnen und Schüler anzuregen, über ihre Gefühle nachzudenken und darüber zu schreiben, welchen Stellenwert Liebe, Zuneigung und Offenheit für sie haben, wurde das Thema „Liebesbrief“ vorgegeben. Zudem ist der Brief ein ideales Medium, um ein Liebesbekenntnis zu vermitteln, ob an einen Freund oder Freundin, die Eltern, ein Haustier, eine Stadt oder eine Jahreszeit. Es gibt viele Möglichkeiten Gefühle auszudrücken. Trotz der Vielzahl an Kommunikationsmitteln ist der Brief unschlagbar, wenn es um Wertschätzung und ganz Persönliches geht. Ein Brief beflügelt die Phantasie. Schreiben mit der Hand kann Stolz und Freude bereiten, vor allem „weil Jugendliche ohne Handschrift das Denken verlernen“, wie Maria-Anna Schulze Brüning in ihrem Buch „Wer nicht schreibt, bleibt dumm“ vermerkt.

Schüler erleben die Bedeutung der geschriebenen Schrift.

Der hessenweite Wettbewerb, organisiert von der Stiftung Handschrift mit Unterstützung des Hessischen Kultusministeriums unter der Schirmherrschaft von Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz, ist einzigartig im Bemühen, die Schulen in der Vermittlung einer gut lesbaren und flüssigen Handschrift zu unterstützen. Von der Förderschule bis hin zum Gymnasium sollen die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass man die Struktur im Kopf haben muss, bevor man losschreibt und dass Schreibschrift nicht nur vermittelt, was man denkt, sondern auch was und wie man sich fühlt.

Handschrift ist ein Denkwerkzeug. Zur Stiftung Handschrift.

Die Stiftung Handschrift ist aus der Written Art Foundation hervorgegangen, die vor neun Jahren in Wiesbaden gegründet wurde. Prof. Dr. Heinz Kroehl aus der Wissenschaft, Christian Boehringer von der Unternehmerseite, und Rose-Lore Scholz, ehemalige Kulturdezernentin der Stadt, entwickelten zusammen das „Wiesbadener Modell“. Eine Initiative, die das Schreiben mit der Hand förderte und weit über die Landesgrenze hinaus bewusst machte: Handschrift ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung und hat nichts mit Nostalgie zu tun. Zuschriften von Schulen, Eltern und Bildungsexperten belegen, dass eine flüssige und lesbare Handschrift für alle erstrebenswert und wichtig ist.

Durch die alljährlichen Schreibwettbewerbe, Workshops, Vorträge und die Durchführung von sogenannten Sommer-Schreibwerkstätten erreichten sie tausende von Schülerinnen und Schüler. „Ein Plädoyer für die Bedeutung der Schreibschrift als Teil der Schulausbildung auch in einer zunehmend digitalen Welt.“ Wobei es in einer aktuellen Hamburger Studie heißt: Man hat den Eindruck, dass es sich beim Einsatz digitaler Medien an den Schulen mehr um eine Ideologie als um eine zukunftsweisende Strategie handelt. Für Professor Kroehl gilt: „Jugendliche müssen zuerst mit Kopf, Herz und Hand schreiben lernen, um dann mit Laptop und Tastatur arbeiten zu können. Nicht umgekehrt!“

Es braucht außergewöhnliches Engagement, um ein Projekt, wie den „Tag der Handschrift“ durchzuführen. Die Stiftung Handschrift sieht das Spannungsfeld,  zum einen den Schülern die nötige digitale Kompetenz zu vermitteln und zum anderen das bundesweite Bildungsziel – am Ende der Grundschule eine flüssige Handschrift zu haben – umzusetzen. 

„Uns als Organisatoren ermutigen die kreativen ‚Liebesbriefe‘ der Schüler. Der breite Schulterschluss von Schulen, Politik und der Wirtschaft zeigt nicht nur die Relevanz für alle Förderer und Unterstützer, sondern auch, dass eine kluge Zusammenarbeit in der Praxis allen hilft.“, so Christian Boehringer.

Die Tatsache, dass aus dem Stand 141 Schulen aus 104 Landkreisen und Städten am Wettbewerb teilgenommen haben, zeigt die breite Unterstützung der Schulen für das Anliegen. Dies ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Schulen sorgsam aus den vielen angebotenen Wettbewerben und privaten Initiativen auswählen müssen.

Aktuelle Studien zum „Schreiben mit der Hand“ belegen:

  1. Die Inhalte werden besser verstanden,
  2. werden besser erinnert,
  3. sind inhaltlich strukturierter und fundierter,
  4. sind im Inhalt kreativer,
  5. sind individueller, denn sie gehen über den rein textlichen Inhalt hinaus.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Stefan Löwer
Hessisches Kultusministerium
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